Zwischen Media-Strategie & Kirschblüte in Tokyo

Inas Agentur-Austausch nach Japan mit dem Local Planet Exchange Programm
Eine Frau steht seitlich vor einer Straße mit Blick auf die dahinterliegenden Hochhäuser

How to… Media-Strategie in Japan

Im Rahmen des Local Planet Exchange Programs hat Ina, Senior Beraterin Strategie bei pilot, zweieinhalb Monate in Japan verbracht, sechs Wochen davon bei unserer Partneragentur ad-comm in Tokyo. Das Ziel: verstehen, wie eine japanische Agentur Strategie denkt, wie Pitches entwickelt werden und welche Impulse sie für ihre Arbeit mit nach Hause nehmen kann. Inas Wahl fiel bewusst auf Tokyo: maximale kulturelle Distanz und ein maximal spannender Lernraum. Bereits Monate vor der Reise hat Ina deshalb begonnen, Japanisch zu lernen – inklusive der drei Schriftsysteme.

 

Ihr erster Aha-Moment nach der Ankunft in der trubeligen Metropole: In Tokyo ist vieles sichtbar weiter. Nicht nur technologisch, sondern auch darin, wie Medien, Marken, Retail und Alltag ineinandergreifen. Und wie ernst Strategie als Disziplin genommen wird.

Frühe strategische Einbindung statt nachgelagerter Kommunikation

Schon ab dem dritten Tag in Japan ging es für Ina in strategische Themen: von der Einführung eines futuristisch gedachten Lebensmittels bis zum Concepting für ein Luxus-Einkaufszentrum mitten in Tokyo. Auffällig war vor allem eines: Strategie wird sehr früh eingebunden. Nicht erst dann, wenn Kommunikation oder Mediastrategie gefragt sind, sondern schon dann, wenn Produkte, Erlebnisse oder Geschäftsmodelle überhaupt erst Form annehmen.

 

Respekt als Arbeitsprinzip

 

Der vielleicht größte Unterschied im Arbeitsalltag zeigte sich für Ina in kleinen Gesten: in der Verbeugung zur Begrüßung, darin, Visitenkarten mit beiden Händen zu überreichen und Kund*innen direkt am Fahrstuhl abzuholen. Ein Ausdruck von Respekt vor dem Gegenüber, vor dem Termin und vor der Arbeit selbst.

 

Das spiegelt sich auch in der Zusammenarbeit wider. Wer in Japan konzentriert arbeitet, wird nicht einfach unterbrochen. Meetings werden intensiv vorbereitet, dauern länger und führen dafür oft zu klareren Ergebnissen. Auch Präsentationen werden ausgedruckt, gemeinsam diskutiert, gekürzt, verworfen und erst dann wieder ins Digitale zurückgeführt. So erfährt die Online-Arbeit wieder ein wenig mehr Handwerks-Mentalität.

Sieben Menschen stehen für ein Gruppenfoto in einem Büro zusammen und lachen.

Integrierte Touchpoints: Media, Retail und Alltag 

Wer mit strategischem Blick durch Tokyo läuft, sieht schnell: Der öffentliche Raum ist ein anderer Medienraum als in Deutschland. Out of Home ist präsent, digital und selbstverständlich ins Stadtbild integriert.

 

Das zeigt sich auch in der Werbung auf den Taxi-Rücksitzen: auf den Screens finden Entertainment, Services und Produktwerbung direkt im Mobilitätsmoment statt. Besonders spannend war für Ina, wie eng Retail Media damit verzahnt ist. In Konbinis und kleinen Department Stores wird verkauft und aktiviert. Selbst der Werbeflyer von Uniqlo erzählt davon: Eine digitale, omnipräsente Marke arbeitet ganz selbstverständlich auch mit einem gedruckten Angebotsflyer. Alt und neu schließen sich hier nicht aus, sondern greifen ineinander.

 

Kultur als Teil des Marken-Set-ups

 

Aus strategischer Sicht war für Ina am spannendsten, dass Kultur in Japan tiefer in Marken hineingelesen wird. Nicht als nette Herkunftsgeschichte auf einer Website, sondern als Teil der Identität. Wo kommt eine Marke her? Welche Haltung prägt sie und wie zeigt sich das in Produkten den Themen, zu denen sie sich positioniert?

 

Marke ist in Japan nicht nur Tonalität, sondern hat kulturelle Substanz. Auch dann, wenn ein Shift in der Markenwahrnehmung erreicht werden soll. Die entscheidende Frage lautet dann nicht nur, was man neu erzählen will, sondern wie man eine Marke glaubwürdig weiterentwickelt.

Eine Out of Home Werbefläche von Gucci vor einem Hochhaus mit japanischen Schriftzeichen

Was mit nach Hause kommt 

Ina bringt vor allem eine Haltung mit zurück nach Hamburg: Menschen mehr Ruhe zu lassen, wenn sie konzentriert arbeiten, weil darin oft mehr Effizienz liegt als in der schnellen Nachfrage. Auch möchte sie wieder stärker mit analogen Tools arbeiten: Präsentationen ausdrucken, nebeneinanderlegen, physisch verschieben, diskutieren und erst danach wieder in Slides übersetzen.

 

Und es bleibt ein geschärfter Blick auf die Rolle von Strategie selbst: früher eingebunden, näher an Produkt, Experience, Retail und Business-Fragen. Dazu ein tieferes Verständnis von Marke als kulturellem System. Die spannendste Erkenntnis aus Tokyo ist für Ina, dass Präzision nicht kühl sein muss, dass Respekt produktiv macht und dass gute Strategie oft dort beginnt, wo man genauer hinschaut und länger zuhört.

 

Lokale Expertise für internationalen Erfolg

 

Unsere Kolleg*innen nehmen von ihren Auslandsaufenthalten viele wertvolle Erfahrungen mit nach Hause. Die Einblicke helfen uns dabei, neue Perspektiven in unsere Prozesse einzubringen und bestehende Ansätze zu hinterfragen. Dank unserer Mitgliedschaft im Local Planet-Netzwerk können wir unsere Arbeit weiter verbessern und für unsere Kund*innen noch effizienter gestalten. Wer tiefer in Inas Erfahrungen eintauchen möchte, findet weitere Einblicke im Podcast „Suits & Sneakers – The Power Shift“ mit Harald R. Fortmann.

Ein Zweig rosa Kirschblüte vor einem Fluss und Hochhäusern im Hintergrund

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Portrait von Ulrich Kramer
Ulrich Kramer

Geschäftsführer