Hendrik Menz über die Chancen von Live-Videos mittels Smartphone und Social Media

  • Veröffentlicht:
  • 06.06.2017

„Das Live-Video hat die Early-Adopter-Phase verlassen und ist 2017 bereit für den Mainstream“, konstatiert Hendrik Menz, unser Direktor Social Media, im Gespräch mit dem Fachmagazin „ONEtoONE“. Er fügt hinzu: „Alles, was dazu nötig ist, hält der Nutzer bereits in der Hand – im Schnitt 80 Mal am Tag.“

Für Unternehmen bietet sich hier, so der Social-Experte, eine nie dagewesene Chance auf Augenhöhe und in Echtzeit mit ihren Kunden zu interagieren: live, unverfälscht, interaktiv und mit unmittelbarer Response. „Und das emotionaler und damit bedeutungsvoller als es mit den bisher gängigen Interaktionsmomenten in Social Media möglich ist.“

Warum Hendrik Menz dem Thema Online-Video und Live-Streaming eine große Zukunft voraussagt? Das verrät er im folgenden Interview.

Hendrik Menz, Director Social MEdia/Consulting bei pilot Hamburg

Hendrik Menz, Director Social Media/Consulting

Welche Rolle spielt das Thema (Online-)Video aktuell?

Das Video ist unbestritten das Medium der Zukunft: So betrug im Jahr 2013 der Anteil von Online-Video am gesamten Web-Traffic bereits 60 Prozent. Bis 2018 wird dieser Anteil auf knapp 80 Prozent anwachsen und ein immer größerer Anteil davon sind Live-Formate.

Neben kleinen, innovativen Plattformen wie Periscope oder YouNow, sind es vor allem die Platzhirschen Facebook und Google mit ihren sehr einfach zu bedienenden und bereits über ein riesiges Publikumspotential verfügenden Plattformen, die hier dominieren werden.

Man muss in Bezug auf Online-Video von einem langfristigen Boom sprechen, der Zuwachs ist drastisch: Im Mai 2016 wurden mehr als 17 Millionen Videos auf Facebook geladen, die 215 Milliarden Views generierten. Im April 2015 waren es noch 4 Milliarden Facebook-Videos – das entspricht 5300 Prozent Zuwachs in 13 Monaten!

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagte kürzlich zu dieser Entwicklung: “We’re entering this new golden age of video. I wouldn’t be surprised if you fast-forward five years and most of the content that people see on Facebook and are sharing on a day-to-day basis is video.

Wie hoch die Bedeutung von Live-Video speziell im Social Media-Umfeld einzuordnen ist, lässt sich schwer prognostizieren. Die Performance-Eckdaten sind in jedem Fall zweifellos beeindruckend: Laut Facebook liegen beispielsweise die Kommentar-Raten von Live-Videos zehnmal so hoch, wie die regulärer Videos.

Worauf sollten sich Unternehmen mit Blick auf Live-Videos einstellen?

Die Rolle von Live-Videos im Marketing-Kontext – innerhalb dessen Erfolg in den sozialen Kanälen zunehmend engagement- und interaktionsgetrieben definiert wird – ist ein Opportunitätsfeld, das man nicht ignorieren kann oder darf.

Doch neben den großen Chancen für Marken hinsichtlich des Aufbaus von Reichweite, Authentizität und Sympathie in ihrer Zielgruppe, gibt es selbstverständlich auch Risiken: „Live“ heißt, dass man bereit sein muss, ein Stück Kontrolle abzugeben – und das ist eben anders als das, was man in anderen Marketingbereichen kennt und auch schätzt.

Beim Thema Live-Streaming gilt es für die Verantwortlichen vor allem das Loslassen zu Erlernen, wenn das Unternehmen mit den Ansprüchen der nachwachsenden Zielgruppen Schritt halten möchte.

Was gilt es beim Videostreaming-Einsatz konkret zu beachten?

Enorm wichtig ist eine durchdachte Live-Streaming-Strategie und eine sorgfältige konzeptionelle Vorbereitung eines jeden Livestreams – und das hinsichtlich der Zielsetzung, kommunizierter Inhalte und reaktivem Community Management im Nachgang der eigentlichen Sendung.

 

90 Prozent der Views der Live-Videos finden nachgelagert statt und dementsprechend verlagert sich der Impact zeitlich, was Reaktionen auf Inhalte und deren (organische) Weiterverbreitung angeht – im Positiven sowie im Negativen gleichermaßen. Im Umfeld der nachgelagerten Views bieten sich sukzessive Möglichkeiten über den Live-Content hinaus, je nach Plattform, ergänzend abgestimmte Pre- oder Postroll Clips zu platzieren.

Wie und wofür können Live-Videos von Unternehmen genutzt werden?

Marken und Unternehmen können das Medium Live-Video vielfältig nutzen für die  Markenbildung, Produkt-Launches, das Teilen von Konferenzen und Präsentationen, Webinare und Produkt-Demos, Nachrichten-Ankündigungen, Live Musik und andere Events, Sport und Wettkämpfe, das Teilen von Humorigem und kulturellen Inhalten, die Aktivierung von Lerninhalten aber auch Teambuilding, Knowhow-Austausch, Mitarbeitertraining oder das Recruitment.

Facebook, Twitter, die New York Times, Toyota, Dell, ESPN, Sony, NASA, Discovery Channel und viele mehr haben die Wachstumspotentiale von Live-Video erkannt und bereits angefangen sie aktiv zu nutzen.

Eine entscheidende Frage dabei ist die Aktivierung, also die effektive Vermarktung des Live-Video-Content. Auch hier bieten sich eine Reihe von Möglichkeiten an:

* Ankündigung auf der eigenen Website (inkl. Deeplink zum tatsächlichen Live Feed)
* Teilen in Social Media (business pages, personal profiles, Freunde und Gruppen)
* E-Mail Listen mit Ankündigung und Details füttern
* Social Influencer als Multiplikatoren nutzen
* Word-of-mouth Verbreitung durch aktives Engagement in 1 to 1 Konversationen stärken

Zusammengefasst: Welche Chancen bieten Live-Videos als Marketingmaßnahme?

Es steckt enorme disruptive Kraft in der technischen Möglichkeit individueller Live-Übertragung von Video Content – und das mit minimalem Aufwand und in nie dagewesener Qualität.

Zum einen sehen wir hier eine zweite Welle an User Generated Content in völlig neuer Quantität und Qualität, die wiederum völlig neue Herausforderungen an Kuration und Navigation durch die Inhalte impliziert. Zum anderen entsteht die Möglichkeit für Marken und Unternehmen, auf Augenhöhe zu kommunizieren – echter und unmittelbarer als je zuvor.

Mein Fazit: Um mit Live-Online-Videos erfolgreich zu sein, gilt es das Medium in seiner reinen Form anzunehmen und nach den Regeln der Zuschauer strategisch zu spielen.

Dazu gehören vor allem Authentizität, Spontanität und Flexibilität bei einer stringenten Befriedigung der inhaltlichen Ansprüche der Abonnenten. Zweifellos eine große Herausforderung, jedoch mit vielversprechendem Wachstumspotenzial in einem für Experimente dankbaren Umfeld.

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Hendrik Menz

Hendrik Menz

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