Vertrauen wirkt.
Stimmen, die unsere Branche bewegen
Bereits zum achten Mal fand unser exklusiven Side Event im Rahmen des OMR Festivals statt. In diesem Jahr erstmals unter dem Namen VOICES und mit brand eins als neuem Partner an unserer Seite. Unter dem Titel „Vertrauen wirkt.“ diskutierten Marketing- und Medienentscheider*innen gemeinsam mit hochkarätigen Gästen, wie Vertrauen entsteht, gemessen und gestaltet werden kann. Durch den Vormittag führte zum vierten Mal in Folge unsere Hamburger Geschäftsführerin Simona Riedel.
Wer Menschen führen will, muss ihnen vertrauen
Tanja Merkl, Minenjagdboot-Kapitän und heute Dezernatsleiterin Personalgewinnung & -bindung der Marine, kennt Vertrauen nicht als Konzept, sondern als Überlebensprinzip. An Bord eines Minensuchboots liegt die Sicherheit der gesamten Crew manchmal in den Händen eines 18-jährigen Sonaristen. Die Besatzung vertraut darauf, dass er eine Mine erkennt und meldet — genauso wie sie dem Kommandanten vertraut, der das Schiff steuert. Rang spielt dabei keine Rolle.
Im Gespräch mit Petra Kruse, Geschäftsführerin pilot Hamburg, machte Merkl deutlich, dass dieses Vertrauen kein Zufall ist. Es entsteht durch Struktur: klare Rollen, gemeinsame Sprache und das konsequente Üben des Ernstfalls, lange bevor er eintritt. Offene Kommunikation ist dabei keine Soft Skill, sondern Pflicht. „Melden macht frei“ ist bei der Marine keine Motivationsformel, sondern gelebte Fehlerkultur und die Grundlage jeder glaubwürdigen Führung.
Was sich daraus für Unternehmen ableiten lässt: Wer Kontrolle als Sicherheit missversteht, signalisiert seinen Teams, dass er ihnen nicht vertraut. Merkls Überzeugung bringt es auf den Punkt: „Das Wir steht vor dem Ich.“ Und wer das wirklich meint, braucht dafür keine Uniform.
Vertrauen messen. Vertrauen gestalten.
Bei VOICES 2026 wurde erstmals der Vertrauensindex vorgestellt: eine Studie, die Vertrauen als konkreten Erfolgsfaktor für Marken und Kommunikation messbar macht. Das Ergebnis, das Margitta Schulze Lohoff, Redaktionsleitung brand eins, im Gespräch mit unserer Geschäftsführerin Martina Vollbehr am meisten beschäftigte: 95% der Befragten halten Vertrauen für ein menschliches Grundbedürfnis. Und trotzdem ist es in den meisten Unternehmen kein expliziter Steuerungsfaktor. „Es schwingt mehr mit“, so Schulze Lohoff.
Dass Vertrauen in Medien in den letzten Jahren zunehmend unter Druck geraten ist, macht die Frage drängender: Wie geht eine Redaktion wie brand eins damit um? Schulze Lohoffs Antwort: als Leitstern dient eine Haltung, die seit 25 Jahren trägt. Faktentreue als Versprechen an die Leser*innen und hierdurch auch eine Komplexität, die man ihnen bewusst zutraut. Bei der Frage, wie sich der gesellschaftliche Vertrauensverlust langfristig entwickeln wird, ist sich die erfahrene Medienschaffende sichern: Es hängt davon ab, wie wir in den nächsten Jahren agieren. Und Unternehmen tragen dabei eine besondere Verantwortung, denn nirgendwo sonst kommen Menschen aus so unterschiedlichen Bubbles noch so eng zusammen.
Was das Gehirn besser kann als jede KI
Dr. Henning Beck, Neurowissenschaftler und Autor, setzte den Rahmen gleich zu Beginn: Vor Vertrauen kommt Verlässlichkeit. Und genau da liegt das Problem mit KI. Sie ist nicht darauf ausgelegt, verlässlich zu sein, sondern sie soll Unvorhersehbares hervorbringen. Das macht sie mächtig, aber nicht vertrauenswürdig im menschlichen Sinne.
Im Gespräch mit Judith Scholten, unserer Geschäftsführerin People & Culture, arbeitete Beck heraus, worin Menschen KI strukturell überlegen bleiben: im Ausprobieren, im Arbeiten mit wenig Daten, im aktiven Widerspruch. Die drei Fähigkeiten, die er dafür als entscheidend sieht, sind kritisches, flexibles und kreatives Denken. Wer diese Kompetenzen verkümmern lässt, weil KI die Arbeit übernimmt, verliert genau das, was Menschen stark gemacht hat.
Besonders relevant für Führungskräfte: den sogenannten Overtrust Effect. Menschen neigen dazu, technischen Systemen mehr zu vertrauen als anderen Menschen. Beck sieht darin eine Falle, in die wir im Umgang mit KI nicht tappen dürfen. Denn je mehr KI die Ausführung übernimmt, desto wichtiger wird die Frage, wofür eine Marke wirklich steht. Was bleibt, ist das ideelle Versprechen — das Konzept, das eine Marke erkennbar macht und das sie einlösen muss. Damit transportiert sich nicht über das Logo., sondern über die Haltung.
Ohne Vertrauen bleibt nur Kontrolle
Unser CEO, Kristian Meinken, eröffnete das Abschlussgespräch mit einem persönlichen Bekenntnis: brand eins hat ihn im Berufsstart maßgeblich geprägt. Was folgte, war kein Rückblick, sondern eine lebendige Auseinandersetzung mit der Frage, was eine Medienmarke über 25 Jahre trägt und was das mit Vertrauen zu tun hat.
Gabriele Fischer, Mit-Gründerin und Chefredakteurin von brand eins, und Art Director Mike Meiré arbeiten seit der ersten Ausgabe zusammen. Ihre Zusammenarbeit funktioniert nicht trotz, sondern wegen gegenseitiger Abhängigkeit. Meiré brachte es auf den Punkt: Man muss sich öffnen und angreifbar machen. Wer das nicht tut, verliert den Zusammenhalt und landet in reiner Kontrolle. Für brand eins war Komplizenschaft das vorherrschende Arbeitsprinzip. Mal gab die Redaktion vor, mal das Design. Empathie und der gemeinsame Wille, etwas zu gestalten, was es noch nicht gab, waren der Antrieb.
Für Fischer, die Ende des Jahres aufhört, war VOICES auch ein Moment des Innehaltens. Ihr Rat an alle, die Vertrauen als Führungsprinzip ernst nehmen wollen: den Vertrauensschuss grundsätzlich geben. Und die Überzeugung, dass man es hinkriegt, nicht verlieren, wie sie aus eigener Erfahrung berichten kann: „Die Grundüberzeugung ‚wir kriegen das hin‘ hat 25 Jahre getragen.“
Vertrauen braucht Haltung und Menschen, die sie zeigen
VOICES 2026 hat gezeigt, wie vielschichtig Vertrauen als Thema ist und wie konkret es wird, wenn Menschen mit echter Haltung darüber sprechen. Wir danken unseren Gästen und Speaker*innen für ihre Offenheit und Tiefe sowie die Impulse, die über den Tag hinaus wirken.
Bis zum nächsten Jahr.
Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.
Director Corporate Marketing & Communications