pilot Radar: Fokus Nachrichten

Interesse der Deutschen an Newsformaten ist konstant hoch – Informationsquellen hängen vom Alter ab

17.06.2024

Unsere aktuellen Themen:

  • Innenpolitische Themen erfahren aktuell deutlich höhere Wahrnehmung
  • Bedeutung etablierter Nachrichten-Quellen ist bei Älteren höher ausgeprägt als bei Jüngeren
  • TV-Streamingdienste zählen zu den beliebtesten Paid-Angeboten
  • Werbung: Akzeptanz im öffentlichen Raum sowie in Print-Produkten am höchsten

Innenpolitische Themen bewegen

Die mediale Wahrnehmung der Deutschen konzentriert sich in diesen Tagen deutlich auf Binnenthemen. Die aktuellen politischen Entwicklungen in Deutschland werden von rund einem Drittel (31 Prozent) als vorherrschend in der Berichterstattung wahrgenommen – bedingt durch die jüngsten Wahlen auf kommunaler und EU-Ebene. Auch Extremismus und Terror ist ein Themenkomplex, der von 33 Prozent der Deutschen als sehr präsent in den Medien erlebt wird. Beide Themen erfahren somit deutlich mehr Aufmerksamkeit als noch im April dieses Jahres (politische Entwicklungen in Deutschland: +7 Prozentpunkte; Extremismus und Terror: +19 Prozentpunkte). Der Klimawandel ist aufgrund der jüngsten Extremwettersituationen im Vergleich zur vorherigen Welle ebenfalls mit plus neun Prozentpunkten auf der Wahrnehmungsskala deutlich nach oben gerutscht (April 2024: 16 Prozent; Juni 2024: 25 Prozent). Dagegen sind die Konflikte in der Ukraine (-11 Prozentpunkte) sowie in Nahost (-15 Prozentpunkte) etwas in den Hintergrund gerückt – ebenso wie der wirtschaftliche Ausblick (-6 Prozentpunkte).

Die Wichtigkeit von Nachrichten bleibt hoch

Im Vergleich zum Juni 2023 haben Nachrichten für eine deutliche Mehrheit der Deutschen (62 Prozent) nicht an Relevanz eingebüßt, sie setzen sich nach eigenen Angaben genauso häufig mit aktuellen Nachrichten auseinander wie vor einem Jahr. Gleichzeitig gibt jede*r Fünfte (20 Prozent) an, sich weniger mit News zu beschäftigen – bei den unter 30-Jährigen ist diese Tendenz noch ausgeprägter (18-29 Jahre: 32 Prozent). Dagegen spielt die aktuelle Nachrichtenlage für fast ebenso viele Befragte (18 Prozent) sogar eine größere Rolle als im Vorjahr. Bei den Menschen, die sich bewusst für einen selteneren Konsum von Nachrichten entschieden haben, haben wir in einer offenen Fragestellung nach den Gründen gefragt: Am häufigsten (43 Prozent) wurde genannt, dass die zunehmende Negativität störe; 20 Prozent der Nachrichtenvermeidenden sagten, sie hätten weniger Zeit im Alltag, sich mit Nachrichten auseinanderzusetzen. 13 Prozent misstrauen den etablierten Medien und elf Prozent haben den Eindruck, die Inhalte würden sich ständig wiederholen. Vier Prozent sind der Ansicht, ob sie Nachrichten sähen oder nicht, würde nichts verändern.

Relevanz etablierter Quellen bei Älteren höher

„Nachrichtenquellen, welche in traditionellen Medien wie Fernsehen, Radio oder Zeitungen verankert sind, stehen insgesamt betrachtet in Deutschland nach wie vor hoch im Kurs“, sagt unser Forschungsleiter Daniel Daimler. „Dies hängt allerdings auch mit der Bevölkerungsstruktur in unserem Land zusammen, welche bekanntermaßen nicht jünger wird. Mit Blick auf jüngere Zielgruppen stellt sich die Herausforderung der optimalen Balance zwischen journalistischer Sorgfalt, Reaktionsgeschwindigkeit bei aktuellen Ereignissen und nicht zuletzt auch der Snackability des Contents, die auch für Nachrichten im Gesamtzusammenhang der Mediennutzung immer wichtiger wird.“ TV-Nachrichtensendungen wie etwa Tagesschau, heute oder RTL aktuell sind dabei das insgesamt am stärksten genutzte Format (s. Grafik 1). Nachrichtenformate im Radio hören altersübergreifend rund die Hälfte der Deutschen, regionale Tageszeitungen oder Nachrichtenmagazine sind – ob gedruckt oder online – bei rund einem Drittel der Befragten als Informationsquelle etabliert. Ein klarer Ausreißer ist der Newskonsum über Social Media. Hier zeigt sich, dass die vergleichsweise junge Gattung vermehrt von jungen Zielgruppen genutzt wird: 65 Prozent der 18- bis 29-Jährigen geben an, News häufig oder sogar hauptsächlich über diese Kanäle zu nutzen; bei den über 60-Jährigen sind es nur noch 25 Prozent. Ein ähnliches Gefälle, wenngleich auch schwächer ausgeprägt, zeigt sich bei der Weiterleitung von Nachrichten über Messengerdienste wie WhatsApp oder Telegram.

Grafik 1

Social Media: Meta & YouTube teilen Nachrichtenmarkt unter sich auf

Betrachtet man die Gruppe der Menschen, die Social Media eher häufiger oder hauptsächlich als Nachrichtenquelle nutzen (38 Prozent der Befragten) nochmal genauer, zeigt sich, dass es auch hier einen Zusammenhang zwischen Alter und genutztem Kanal gibt. Ältere User*innen verwenden dazu in erster Linie das zum Meta-Konzern gehörende Facebook (60+J: 63 Prozent), in der mittleren Alterskohorte fällt die Nutzung ab (30-59J: zwischen 52 und 56 Prozent) und bei den Jungen kommt Facebook nur noch bei rund einem Drittel zum Einsatz (18-29J: 33 Prozent). Hier hat eher das ebenfalls zum Meta-Konzern gehörende Instagram die Nase vorn (18-29J: 70 Prozent, 30-39J: 67 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei YouTube, wo ebenfalls die Jungen die News des zum Google-Konzern gehörenden Bewegtbild-Portals stärker als die Älteren nutzen (18-29J: 66 Prozent, 30-39J: 57 Prozent, 40-49J: 38 Prozent, 50-59J: 44 Prozent, 60+J: 46 Prozent). Dieses Szenario gilt auch für TikTok – allerdings ausgeprägter, aber auf niedrigerem Niveau: Hier stehen 39 Prozent Nachrichtenkonsum bei den 18- bis 29-Jährigen nur 13 Prozent bei den über 50-Jährigen gegenüber. Ein weiteres Ergebnis des Radar: X, vormals Twitter, spielt in der breiten Bevölkerung eine eher untergeordnete Rolle im Bereich Nachrichten.

Bezahlte Abos für Medieninhalte sind etabliert

Paid-Angebote haben sich einen festen Platz im Medienbouquet der Deutschen erobert. Am beliebtesten sind dabei Streaming-TV-Dienste wie Netflix, Disney+ oder Amazon Prime Video: 60 Prozent derjenigen, die über ein entsprechendes Abo verfügen, geben an, am wenigsten darauf verzichten zu können (s. Grafik 2) – gedruckte oder digitale Zeitschriften und Zeitungen wollen 53 Prozent am wenigsten missen. Auf Platz 3 der unverzichtbarsten Paid-Angebote folgt mit 42 Prozent Musikstreaming – bezahlte Nachrichtenangebote wie Spiegel+ oder Welt+ belegen mit 29 Prozent den vierten Rang, haben allerdings von allen abfragten Angeboten die wenigsten Abonnierenden.

Das Budget, das die Deutschen monatlich für Bezahlinhalte ausgeben, variiert dabei deutlich: So gibt ein Fünftel der Abonnent*innen (19 Prozent) weniger als 10 Euro im Monat dafür aus, jede*r Dritte hat monatliche Ausgaben zwischen 10 bis unter 30 Euro, 20 Prozent investieren sogar zwischen 30 und 50 Euro monatlich in bezahlte Medienangebote. Gegenüber der gängigen Praxis von Bezahlschranken zeigt dabei etwas mehr als die Hälfte der Befragten grundsätzliches Verständnis – ein großer Teil wünscht sich allerdings flexiblere Angebote (z.B. Bezahlen für einzelne Beiträge anstatt für Zeiträume). Ein Drittel der Deutschen (33 Prozent) hat dagegen kein Verständnis für Paid-Angebote und bevorzugt stattdessen kostenlose Inhalte.​

Grafik 2

Werbeakzeptanz hängt vom Kanal ab

Im Streaming-Umfeld zeigen sich aktuell viele Nutzer*innen aufgeschlossener gegenüber Werbung als noch zu Beginn des Jahres – was durch die fast durchgängigen Preiserhöhungen der komplett werbefreien Angebote begründet sein könnte. (KW 05/24: 39 Prozent; KW 23/24: 44 Prozent). Im Vergleich verschiedener Media-Gattungen fällt die Akzeptanz von Werbung durchaus differenziert aus und ist beispielsweise in den Bereichen Out-of-Home (OOH) und Print deutlich stärker ausgeprägt als bei anderen Media-Kanälen. Unser Forschungs-Experte Daniel Daimler erklärt: „Es gibt Gattungen, in denen Werbung bereits deutlich länger als in anderen Kanälen schlichtweg gelernt ist, wenn nicht sogar einfach dazugehört: sie fügt sich in das Wahrnehmungserlebnis ein, unterbricht weniger stark, lässt sich damit allerdings auch einfacher vermeiden.  Dies unterstreicht den von uns regelmäßig beobachteten Befund, dass die kreative Relevanz von werblicher Kommunikation einer ihrer wichtigsten Wirkungsfaktoren ist. Und gilt umso ­­­mehr für Media-Gattungen, in denen mangelnde Möglichkeiten zur Vermeidung von Werbung mit Ablehnung der werbenden Marken beantwortet werden könnte.“

Kontakt

Daniel Daimler
Leiter Marktforschung

+49 (0)40 30 37 66-209 +49 (0)40 30 37 66-209
d.daimler(at)pilot.de

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